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Juni 2014

Erfreut nehmen wir, das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark, zur Kenntnis, dass das Öffentlich-rechtliche Fernsehen auf Kritik der Bevölkerung bzgl. der dargebotenen Samba- und Capoeiraeinlagen im WM-Studio reagiert und diese mittlerweile gänzlich beseitigt hat.

Als Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark setzen wir uns dafür ein, klischeehafte Geschlechterrollen oder Kulturvorstellungen nicht zu verfestigen, sondern aufzubrechen, um Menschen egal welchen Geschlechts, welcher Herkunft oder Weltanschauung in ihrer Vielfaltgerecht zu werden. Qualitätsvolle Medien sind sich dieser Vielfalt bewusst und werden ihr in Programmwahl und -gestaltung gerecht. Es ist unserer Meinung nach eine kulturelle Bereicherung, dass zur Fußball-WM brasilianische Inputs (mit Samba, Band, Capoeira) ins ORF Eingang finden. Allerdings ist zu hinterfragen, wie dies geschieht. Die ausschließliche (Re-)Präsentation von Sambatänzerinnen, Capoeiratänzern und Männern, die Musikinstrumente – vorwiegend Trommeln – spielen, verfestigt nicht nur Vorstellungen von Weiblichkeiten und Männlichkeiten, sondern auch von brasilianischer Kultur. Bereichernd wäre es gewesen, einerseits die Vielfalt abzubilden, die die brasilianische Gesellschaft ausmacht, und andererseits Frauen UND Männer als Musiker*innen UND Capoeiratänzer*innen sichtbar zu machen.

Für zukünftige Sendungskonzeptionen schlagen wir vor, dass folgende Fragestellungen Eingang finden:

  • Welches Bild von meinen Zusehern*Zuseherinnen habe ich? Und welches wird durch eine bestimmte Gestaltung der Berichterstattung implizit vermittelt?
  • Welches Bild von Menschen jedweder Herkunft und Weltanschauung, von Weiblichkeiten und Männlichkeiten will und muss ich als öffentlich-rechtliches Medium vermitteln?
  • Sind meine Kommentatoren*Kommentatorinnen, Moderatoren*Moderatorinnen etc

gut genug geschult, um Sexismen, Rassisem, Ageism etc zu erkennen und zubenennen und diese Formen der Diskriminierung nicht selbst durch deren Ignoranz oder die eigenen Aussagen zu verfestigen?

In diesem Sinne verbleiben wir in der Hoffnung auf eine weniger diskutable künftige Berichterstattung.