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Juni 2015

Wir sind ein Zusammenschluss von Organisationen, die steiermarkweit im Feld der sexuellen Bildung tätig sind und sich für sexuelle Vielfalt einsetzen. 

Wir danken für die Möglichkeit der Stellungnahme und möchten diese gemeinsam wahrnehmen.

Wir begrüßen eine Neufassung des Grundsatzerlasses „Sexualerziehung“ und dessen Ausrichtung an internationalen Richtlinien und Grundlagen zur schulischen Sexualerziehung. Folgende Anregungen und Anmerkungen möchten wir zum vorliegenden Entwurf geben:

Sexuelle Bildung

Anstatt vom  Begriff  „Sexualerziehung“  regen wir an von  „Sexueller Bildung“ zu sprechen. Dies ist ein breiterer Begriff, der die Entfaltung der Person auf allen Ebenen einschließt und nicht nur auf Wissensvermittlung fokussiert. Damit kommt das Anliegen des Erlasses besser zum Ausdruck.

Hinweis auf externe Sexualpädagoginnen/Sexualpädagogen

Wir sind jahrelang sehr erfolgreich als Expertinnen/Experten in Schulen zum Thema Sexualität begleitend und unterstützend tätig. Daher ist es uns wichtig auch auf diese Möglichkeiten für den  Projektunterricht im Erlass (neben Schulärztin/Schularzt und Schulpsychologin/Schulpsychologen) hinzuweisen. Wir erleben, dass es uns als Sexualpädagoginnen/Sexualpädagogen, die von außen an die Schule kommen, gelingt,  Vertrauensräume  zu schaffen, wo Fragen, Bedenken und Ängste der Kinder und Jugendlichen zu diesem Thema besprochen werden können.

Geschlechterspezifische Lernräume schaffen

Aus unserer Erfahrung sind geschlechterspezifische Lernräume beim Thema Sexualität sinnvoll.  Gerade auf Grund der unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Mädchen und Burschen im Alter der Pubertät erscheint das von Vorteil. Auch empfinden Mädchen und Burschen als homogene Gruppe zu manchen Themengebieten weniger Peinlichkeit und können offener kommunizieren.

Gemeinsames Anliegen der Schulpartnerinnen/Schulpartner

Die Unterstützung der Schulleitung sowie die Zusammenarbeit aller Lehrkräfte unter  Einbeziehung der Eltern (Elternbildung) sehen wir als wichtigen Punkt in der Umsetzung des Anliegens der Sexuellen Bildung. Uns ist in Hinblick auf die strukturelle Verankerung wichtig, dass finanzielle und zeitliche Ressourcen an allen Schulen zur Verfügung gestellt werden, um es vom Engagement einzelner engagierter Personen unabhängig zu machen.  Aus unserer Erfahrung scheitert manchmal ein Workshop  mit externen Sexualpädagoginnen /Sexualpädagogen

*an der Verfügbarkeit genügender Unterrichtseinheiten für geblockte Veranstaltungen

* an den Finanzierungsmöglichkeiten der Schule für externe Angebote.

Daher wäre es aus unserer Sicht wichtig, dass auch externe Angebote aus dem „Sexualerziehungsfond“ finanziert werden können – auch unter dem Gesichtspunkt, dass Schulbildung kostenlos sein sollte.

Pornographie, Umgang mit Internet und Medien

Der Umgang mit Medien und dem Internet gehört unserer Erfahrung nach zu den wichtigen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen gerade im Hinblick auf Sexualität. Aus Pornographie  bezieht ein Großteil der Jugendlichen ihr Wissen über gelebte Sexualität und dazu brauchen sie kompetente Begleitung von Erwachsenen, um Orientierung zu geben und Mythen zu entkräftigen. In diesem Zusammenhang ist auch Sexting und Posing zu nennen, die eine immer größer werdende Rolle in Gesprächen mit Jugendlichen spielen.   

Auf die Medienerziehung sollte im Erlass daher ein deutlicheres und besonderes Gewicht gelegt werden und überlegt werden, in welchen Fächern bzw. Rahmen eine fixe Verortung stattfinden kann. 

Sexuelle Bildung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe

Wir möchten darauf hinweisen, dass sexuelle Bildung eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, die auf Seiten der Pädagoginnen/Pädagogen Grundlagen von Wissen zu sexuellen Basiskompetenzen, sexueller Gesundheit, Prävention, sexueller Entwicklung etc. voraussetzen.  Insofern sehen wir es kritisch, wenn im Erlass formuliert ist, dass „Pädagogen und Pädagoginnen keineswegs Experten und Expertinnen sein müssen“. 

Es scheint uns wichtig, dass sexuelle Bildung im Ausbildungscurriculum der pädagogischen Hochschulen verankert und als Lehrveranstaltung verpflichtend ist und nicht „nur angeboten“ wird. Auch für schulinterne Aus-, Fort- und Weiterbildung der Pädagoginnen/Pädagogen stehen Expertinnen/Experten innerhalb unseres Netzwerkes Sexuelle Bildung Steiermark zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Für das Netzwerk Sexuelle Bildung Steiermark

Mag.aIngrid Lackner, Abenteuer Liebe, Junge Kirche der Diözese Graz Seckau

Frauengesundheitszentrum

Verein für Männer- und Geschlechterthemen